
Am 16. August 2026 ist Linux 7.2 erschienen. Mein Highlight diesmal: der Scheduler. Das ist die Stelle im Kernel, die entscheidet, welcher Prozess gerade auf welcher CPU laufen darf. Und da hat sich einiges getan. đ
Cache-aware Scheduling
Das groĂe Thema heiĂt cache-aware task scheduling. Bisher hat der Scheduler Aufgaben ziemlich gleichmĂ€Ăig auf die Kerne verteilt. Das Problem: Threads, die zusammengehören und sich Daten teilen, landen dadurch gern mal auf unterschiedlichen Kernen. Moderne CPUs haben aber einen gemeinsamen Last-Level-Cache (LLC) pro Kerngruppe. Liegen zwei Threads, die sich Daten teilen, auĂerhalb derselben LLC-Domain, muss der Cache stĂ€ndig hin- und hergeschoben werden.
Linux 7.2 versucht jetzt, solche Tasks (zum Beispiel Threads desselben Prozesses) in derselben LLC-Domain zu platzieren. Das senkt Cache-Bouncing und Cache-Misses. FĂŒr Multi-Thread-Workloads heiĂt das schlicht: spĂŒrbar mehr Performance. Nichts, was man direkt sieht, aber definitiv was, das man merkt.
Zur Einordnung: Der aktuelle CPU-Scheduler ist seit Kernel 6.6 EEVDF, das den alten CFS abgelöst hat. Das cache-aware Scheduling baut da einfach obendrauf.
Fair(er) GPU-Scheduler
Es gibt noch einen zweiten Scheduler, den man leicht vergisst: den GPU-Scheduler. Der entscheidet, welcher Job auf der Grafikkarte als nĂ€chstes dran ist. Bisher lief das nach „First In, First Out“ (FIFO), und das kann bei paralleler Last unfair werden. Ein interaktiver Client, der schnell was auf der GPU erledigen will, muss warten, bis der dicke Render-Job vor ihm fertig ist.
Linux 7.2 bringt einen „Fair(er)“-GPU-Scheduler, der sich an den Ideen des alten CFS orientiert. Ergebnis: bessere Fairness fĂŒr interaktive Clients, die parallel zu einer schweren GPU-Last laufen.
Kleiner Haken: Wegen eines Last-Minute-Regressionsreports in der rc7-Woche bleibt die Standard-Policy erstmal FIFO. Der Fix ist bekannt und die ersten Tests sehen gut aus, also dĂŒrfte das bald nachkommen. Ich finde es ehrlich gesagt gut, dass man da konservativ bleibt statt ein instabiles Standardverhalten auszuliefern.
Was sonst noch neu ist
- Memory Reclaiming (MGLRU): aufgerÀumt und verbessert. Bis zu rund 30% mehr Performance in Workloads wie MongoDB mit YCSB, deutlich weniger file refault, seltener unerwartete OOM-Killer.
- Swap-Table-Phase IV: Ein 1TB-Swap-GerÀt spart beim Mounten rund 512MB Speicher.
- USB4STREAM: Datenströme direkt ĂŒber USB4-Kabel senden.
- Btrfs-Verbesserungen und ext4-Speedups.
- dm-inlinecrypt fĂŒr Inline-VerschlĂŒsselung von BlockgerĂ€ten.
- NeĂŒ openat(2)-Flags und schnelleres Auslesen von /proc/filesystems und /proc/interrupts.
- Vorbereitungen fĂŒr Sub-Scheduler in sched_ext.
Fazit
Linux 7.2 hat keine einzelne Killer-Feature-Headline. Cache-aware Scheduling und der fairere GPU-Scheduler sind aber genau die Art von Arbeit, die Linux auf Dauer schneller macht. Ich bin gespannt, wie sich das cache-aware Scheduling in der Praxis auf Multi-Core-Workloads auswirkt. đ