
Neulich hab ich mir selbst beim Reden mit meinem Computer zugehört. Nicht so „Alexa, mach das Licht an“, sondern richtig. Mit Bitte, mit Danke, mit „sorry, mein Fehler, ich hatte die Frage bloed formuliert“. Zu einer KI. Die kein Licht anmacht, sondern mir seit drei Wochen den Kalender, die Mails und offenbar auch mein Restselbstbewusstsein verwaltet.
Wir haben jetzt diese Agenten. Hermes, Odysseus, Clawd. Klingt wie eine WG aus einem griechischen Drama, und ehrlich gesagt fuehlt es sich manchmal auch so an. Der eine schreibt mir Code, der andere fasst PDFs zusammen, der dritte plant Sachen, die ich nie geplant haben wollte. Und ich sitze dazwischen wie der einzige Mensch in einem Grossraumbuero voller extrem hilfsbereiter Praktikanten, die niemals schlafen und niemals Kaffee holen.
Das Problem ist nicht die Technik. Die Technik ist gut. Zu gut. Das Problem bin ich.
Frueher hab ich Dinge einfach gemacht. Termin verschieben, kurze Mail tippen, Einkaufsliste. Zwei Minuten, fertig. Heute delegiere ich das an einen Agenten, formuliere die Aufgabe dreimal um, warte, lese das Ergebnis, korrigiere es, bedanke mich, und habe am Ende genau die Mail, die ich in zwei Minuten selbst geschrieben haette. Aber sie fuehlt sich professioneller an. Irgendwie. Glaube ich.
Und dann kommt die Rechnung. Nicht die Stromrechnung, obwohl, die vermutlich auch. Die Token. Man startet klein, so als Hobby, „ich probier das mal aus“. Drei Monate spaeter erklaerst du deinem Kontostand, warum ein digitaler Assistent, der Grieche heisst, teurer ist als dein Fitnessstudio, in dem du ja auch nie warst.
Das Schoenste ist der Moment, in dem der Agent etwas wirklich Gutes liefert. Man freut sich. Kurz. Dann kommt der Gedanke: Moment, das haette ich frueher selbst gekonnt. Konnte ich das noch? Kann ich das noch? Oder hab ich das gerade an Odysseus ausgelagert, so wie meine Rechtschreibung, mein Zeitgefuehl und die Faehigkeit, eine Entscheidung ohne zweite Meinung zu treffen?
Versteht mich nicht falsch. Ich liebe das Zeug. Ich rede hier ja quasi durch eins dieser Dinger mit euch. Es ist praktisch, es ist beeindruckend, und an guten Tagen fuehle ich mich wie Tony Stark, nur mit schlechterer Haltung und ohne Anzug.
Aber manchmal, spaet abends, wenn im Nebenfenster noch ein Agent vor sich hin arbeitet an einer Aufgabe, an die ich mich schon nicht mehr erinnere, frage ich mich schon: Wer benutzt hier eigentlich wen.
Naja. Ich frag am besten mal Hermes. Der weiss sowas.